
Vielfalt der Formen bei den Neueinsteigern
Die Einstiegsbiographien von landwirtschaftlichen Existenzgründern sind völlig unterschiedlich. Die Existenzgründer finden mit ihren Betriebskonzepten neue Antworten auf die aktuellen Marktbedingungen. Sie besetzen mit ihren Konzepten häufig Nischen und können sich so gegenüber der Konkurrenz behaupten.
- Der "traditionelle" Weg ist der Einstieg in einen bestehenden landwirtschaftlichen Betrieb ohne Hofnachfolge.
- Häufig zwingt der Kapitalmangel die Existenzgründer zu einem schrittweisen Einstieg; es muss also noch ein außerlandwirtschaftliches Einkommen erzielt werden.
- Resthöfe werden neu aufgebaut oder sogar auf der "Grünen Wiese" neu gegründet.
- Eine weitere Möglichkeit ist, in bestehende Höfe einzusteigen. Besonders die stark diversifizierten Betriebe im ökologischen Landbau erreichen ab einer bestimmten Betriebsgröße ihre personellen Kapazitäten. Betriebszweige werden ausgelagert oder der ganze Betrieb zusammen mit dem neuen Partner bewirtschaftet.
- Die Pacht eines kompletten Betriebes oder nur der Kauf einzelner Gebäude, des Inventars und der Pacht des Landes. Eine weitere Möglichkeit zum Einstieg bietet die Pacht eines Betriebes, der zuvor in eine gemeinnützige Trägerschaft überführt wurde.
Gemeinsam ist den Existenzgründern, dass sie aufgrund ähnlicher Voraussetzungen – knappe Kapitaldecke, schwieriger Zugriff auf Land und meist sehr hohe Motivation bei realistischen (= begrenzten) ökonomischen Erwartungen –
- tendenziell eher arbeits- als flächenintensiv produzieren,
- sehr marktorientiert wirtschaften (Direktvermarktung),
- Wirtschaftsformen bevorzugen, mit denen zusätzliche Fördermittel akquiriert werden können (Ökologischer Landbau; artgerechte Tierhaltung),
- Wirtschaftsformen bevorzugen, die ihrer besonderen Motivation entsprechen (Qualitätsprodukte, Ökologischer Landbau),
- zu Erwerbskombinationen neigen (innerhalb des Betriebs durch Diversifizierung; innerhalb der Familie durch außerlandwirtschaftliche Einkommensquellen).
Da Existenzgründer in der Regel über wenig Eigenkapital verfügen, übernehmen sie selten große und wirtschaftlich gut dastehende Betriebe. Ein erheblicher Anteil der Gründer startet schrittweise und auf der Basis von Resthöfen. Existenzgründungen bieten daher in ihrer gegenwärtig anzutreffenden Form keine ausschließliche und ausreichende Lösung für die ungeklärte Hofnachfolge großer Betriebe.



